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Notrufarmband, Rufhilfe oder Sensor: Was passt zu Ihren Eltern?

Kurz gesagt: Eine Rufhilfe mit Notrufzentrale passt, wenn Ihre Eltern das Armband verlässlich tragen und im Notfall noch drücken können. Eine Notrufuhr passt, wenn sie viel allein unterwegs sind. Sensoren in der Wohnung passen, wenn sie nichts tragen wollen und Sie als Familie schnell erfahren möchten, dass etwas nicht stimmt. Oft ist eine Kombination am sichersten.

Das Problem mit dem Knopf

Alle klassischen Notrufsysteme haben eine Voraussetzung: Der Knopf muss am Körper sein und gedrückt werden. Genau daran scheitert es in der Praxis oft. Das Armband liegt auf dem Nachtkästchen, weil es beim Schlafen stört. Es liegt am Waschbecken, weil man es beim Duschen abnimmt. Oder es wird gar nicht erst angelegt, weil es sich anfühlt wie ein Schild mit der Aufschrift „alt“.

Eine britische Studie mit 110 Menschen über 90 Jahren hat das genauer untersucht. 80 % derer, die im Beobachtungsjahr stürzten, kamen mindestens einmal nicht allein wieder auf. Waren sie dabei allein, hatten sie fast immer ein Notrufsystem. Benutzt haben sie es in 80 % dieser Fälle nicht.1 Die Studie ist klein und betrifft sehr alte Menschen. Sie zeigt aber gut, worauf es ankommt: Ein Notruf hilft nur, wenn er im entscheidenden Moment auch ausgelöst wird.

In Österreich wurden 2025 laut Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) 266.100 Menschen ab 65 nach einem Unfall im Spital behandelt, so viele wie nie zuvor. Zwei Drittel dieser Unfälle passieren im Haushalt.2

1. Rufhilfe mit Notrufzentrale

Die Rufhilfe ist der klassische Hausnotruf. In der Wohnung steht ein Basisgerät, dazu kommt ein Sender, der wie eine Armbanduhr oder an einer Kette getragen wird. Ein Druck auf den Knopf verbindet mit einer Notrufleitstelle. Dort sieht man die hinterlegten Daten, spricht über das Basisgerät mit der Person und verständigt eine Kontaktperson aus der Familie. Ist niemand erreichbar oder kein Gespräch möglich, schickt die Leitstelle Hilfe.3 Für unterwegs gibt es bei manchen Anbietern auch eine mobile Rufhilfe.

Stärken: Ein Mensch nimmt den Notruf entgegen und organisiert Hilfe. Das ist besonders wertvoll, wenn keine Angehörigen in der Nähe wohnen.

Grenzen: Der Sender muss getragen und gedrückt werden. Ein normaler Sender erkennt keinen Sturz. Einige Anbieter haben einen zusätzlichen Sturzsender im Programm, der aber ebenfalls getragen werden muss.

Kosten: Je nach Anbieter und Bundesland unterschiedlich. Zwei Beispiele vom Roten Kreuz für 2026: In Salzburg kostet das stationäre Gerät 32,39 € im Monat, ein Sturz-Handsender 15,65 € im Monat zusätzlich.4 Im Burgenland sind es 39,80 € im Monat plus 39,90 € für die Installation.5

Anbieter: Unter anderem Rotes Kreuz, Hilfswerk, Volkshilfe, Johanniter, Caritas und Samariterbund. Eine Übersicht hat oesterreich.gv.at.6

2. Notrufuhr oder Notrufarmband mit Sturzerkennung

Notrufuhren sehen aus wie eine normale Uhr, haben aber eine SIM-Karte, einen Notrufknopf und oft GPS. Viele Modelle haben eine Sturzerkennung: Bewegungssensoren in der Uhr erkennen einen typischen Sturzablauf und lösen nach einer kurzen Wartezeit selbst einen Alarm aus. Je nach Modell geht der Alarm an eine Zentrale oder direkt an Angehörige.

Stärken: Funktioniert auch beim Spaziergang, beim Einkaufen oder im Garten. Die Sturzerkennung hilft, wenn niemand mehr den Knopf drücken kann.

Grenzen: Die Uhr muss getragen und regelmäßig geladen werden. Die Sturzerkennung sieht nur die Bewegung am Handgelenk. Ein langsames Zusammensacken ist dafür schwieriger zu erkennen als ein harter Aufprall. Modelle ohne Zentrale benachrichtigen nur Angehörige.

Kosten: Sehr unterschiedlich, von Geräten zum Einmalpreis ohne Abo bis zu Modellen mit monatlicher Gebühr für Zentrale und SIM-Karte.

3. Sensoren in der Wohnung

Die neueste Lösung kommt ganz ohne Knopf aus. Ein Sensor an der Wand erkennt, ob jemand steht, sitzt oder am Boden liegt. Eine Kamera ist dafür nicht nötig. Servus Home etwa nutzt ein Radar im 60-GHz-Bereich (mmWave-Radar): Die Funkwellen werden vom Körper zurückgeworfen, der Sensor sieht daraus nur Punkte, kein Bild. Das funktioniert auch im Dunkeln und im Dampf nach dem Duschen. Dazu kommen je nach System Türsensoren, Wassersensoren oder ein Nachtlicht. Bemerkt das System einen Sturz, bekommt die Familie eine Meldung aufs Handy.

Stärken: Niemand muss etwas tragen, laden oder drücken. Der Sensor ist auch dann da, wenn das Armband am Waschbecken liegt. Der Alltag Ihrer Eltern bleibt, wie er ist.

Grenzen: Sensoren helfen nur in den Räumen, in denen sie hängen, also nicht unterwegs. Viele Systeme, auch Servus Home, haben keine Notrufzentrale: Die Meldung geht an die Familie. Sind zwei Personen im Raum, ist ein Sturz für den Sensor nicht eindeutig. Servus Home schickt dann keine automatische Meldung.

Kosten: Servus Home kostet 899 € einmalig plus 19,99 € im Monat oder 79,99 € im Monat im Abo, jeweils für das ganze Paket mit zwei Sturzsensoren, Türsensoren, Wassersensor und Nachtlicht.

Vergleich auf einen Blick

RufhilfeNotrufuhrSensoren
Muss getragen werdenJaJaNein
Erkennt Sturz selbstnur mit Zusatzsenderviele ModelleJa
NotrufzentraleJaje nach Modellmeist nein
Familie wird informiertüber die ZentraleJadirekt aufs Handy
Hilft auch unterwegsals mobile RufhilfeJaNein
Kosten (Beispiel)ca. 32 bis 40 € im MonatEinmalpreis bis AboServus Home: 79,99 € im Monat oder 899 € + 19,99 € im Monat

Welche Lösung passt zu welcher Situation?

Fragen, die Sie vorher klären sollten

  1. Würde Ihre Mutter oder Ihr Vater ein Armband wirklich jeden Tag tragen, auch nachts und beim Duschen?
  2. Wer aus der Familie ist erreichbar, und wie schnell ist jemand vor Ort?
  3. Gibt es einen Schlüssel bei Nachbarn oder in einem Schlüsseltresor, damit Helfer in die Wohnung kommen?
  4. Wie viel Zeit verbringen Ihre Eltern allein außer Haus?
  5. Und vor allem: Was wollen Ihre Eltern selbst? Eine Lösung, die akzeptiert wird, schützt mehr als die technisch beste. Tipps fürs Gespräch finden Sie bei unseren häufigen Fragen.

Häufige Fragen

Ist Rufhilfe dasselbe wie Hausnotruf?

Ja. In Österreich heißt der Hausnotruf meist Rufhilfe. Gemeint ist ein Basisgerät in der Wohnung und ein Knopf am Handgelenk oder um den Hals, der eine Notrufzentrale verständigt.

Erkennt ein Notrufarmband jeden Sturz?

Nein. Ein normaler Notrufknopf erkennt gar keinen Sturz, er muss gedrückt werden. Uhren und Sender mit Sturzerkennung werten die Bewegung am Handgelenk aus. Das funktioniert nur, wenn sie getragen werden, und nicht jede Sturzbewegung ist eindeutig.

Kann man eine Rufhilfe mit Sensoren in der Wohnung kombinieren?

Ja. Die Systeme arbeiten unabhängig voneinander. Viele Familien nutzen die Rufhilfe für unterwegs und für den Kontakt zur Zentrale, und Sensoren für die Momente, in denen das Armband nicht getragen wird.

Was kostet eine Rufhilfe in Österreich?

Das hängt vom Anbieter und vom Bundesland ab. Beim Roten Kreuz Salzburg kostet das stationäre Gerät 2026 32,39 € im Monat, ein Sturz-Handsender 15,65 € im Monat zusätzlich. Im Burgenland sind es 39,80 € im Monat plus 39,90 € für die Installation.

Quellen

  1. Fleming J., Brayne C.: Inability to get up after falling, subsequent time on floor, and summoning help. British Medical Journal 2008. Zur Studie
  2. KFV-Unfallbilanz 2025, berichtet von vol.at. Zum Artikel
  3. Österreichisches Rotes Kreuz: Rufhilfe. Zur Seite
  4. Rotes Kreuz Salzburg: Datenblatt Rufhilfe, Jänner 2026. PDF
  5. Rotes Kreuz Burgenland: Folder Rufhilfe 2026. PDF
  6. oesterreich.gv.at: Wo kann ich Hausnotrufsysteme erhalten? Zur Seite

Preise ohne Gewähr, Stand Oktober 2026. Servus Home ist ein Smart-Home-Benachrichtigungssystem und kein Medizinprodukt. Es ersetzt keinen Notruf. Im Notfall wählen Sie 144.

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